Im Mittelpunkt des Dorfs plätschert ein Brunnen

Grasdorf ist Laatzens kleinste Ortschaft. Gerade einmal 3085 Menschen leben in dem ehemaligen Bauerndorf. Doch im Gegensatz zu Laatzen-Mitte hat Grasdorf eine lange und wechselvolle Geschichte. Vor dem Zweiten Weltkrieg prägten Landwirtschaft und Handwerk den Ort. Im 19. Jahrhundert gab es in dem idyllisch am Rand der Leinemasch gelegenen Dorf etwa 60 Hofstellen. Später ließ die Stadt Hannover in der Grasdorfer Masch Ton abbauen. Viele Häuser in Hannover wurden ab 1890 mit Ziegeln aus Grasdorf gebaut. Doch die Nacht zum 23. September 1943 veränderte alles. Hunderte Bomben vernichteten etwa 80 Prozent der Gebäude in Grasdorf. Es gab zahlreiche Tote. Viele der alten Grasdorfer können sich noch heute an die Bombennacht erinnern. Danach wurden nur wenige der alten Höfe wieder aufgebaut, sodass der Ort seine bäuerliche Struktur fast gänzlich verlor.

Der gebürtige Grasdorfer Helmut Flohr hat ein Faltblatt mit einem Rundgang durch seinen Heimatort erstellt.

Auf den großen Feldflächen Grasdorfs wurde Ende der 60er-Jahre Laatzen-Mitte erbaut, auf dem Gelände einer der früheren Ziegeleien entstand das heutige Klinikum Agnes Karll, dessen medizinische Versorgung weit über die Stadtgrenzen hinaus in Anspruch genommen wird. Vom einstigen Bauerndorf hat sich Grasdorf schnell zu einem begehrten Wohnort entwickelt. Die angrenzende südliche Leineaue zählt zu den beliebtesten Naherholungszielen im Umland. Große Teile von ihr stehen unter Naturschutz. Die Feuchtbiotope sind ein Paradies für seltene Vogelarten. In der alten Feuerwache hat der NABU Quartier bezogen und startet von dort regelmäßig Erkundungstouren in die Natur. Wahrzeichen ist die St.-Marien- Kirche im alten Ortskern. Sie wurde 1736 errichtet und fiel 1943 ebenfalls den Bomben zum Opfer. Bis 1959 brauchten die Grasdorfer, um sie wieder aufzubauen. Ende der 80er-Jahre wurde an der Kreuzung Am Thie/Kirchstraße ein Backsteinbrunnen errichtet, an dem die Grasdorfer seitdem jedes Jahr ein Brunnenfest feiern. Der Brunnen markiert den früheren Dorfmittelpunkt am Thieplatz.

Um das Wissen um die Geschichte des Dorfes weiterzugeben, hat der gebürtige Grasdorfer Helmut Flohr, der schon etliche Bücher und Aufsätze über seinen Heimatort geschrieben hat, in diesem Jahr ein Faltblatt mit einem Rundgang durch das Dorf erstellt. Darin beschreibt der 86-Jährige 20 Stationen in Grasdorf – von der St.-Marien-Kirche über verschiedene Hofstellen bis zur Leinebrücke.

Grasdorf auf einen Blick:

  • Einwohner (Stand 13.8.18): 3085
  • Entstehung: 1236
  • Schulen: Grundschule Grasdorf
  • Kirchen: St-Marien-Kirche
  • Größter Verein: VfL Grasdorf
  • Sehenswürdigkeiten: St.-Marien-Kirche, Leinemasch