Im Doppeldorf die Idylle genießen

Jedes Jahr im Februar laufen skurrile Gestalten durch Ingeln-Oesselse, verlangen von Autofahrern Wegezoll, klingeln an Häusern und bitten um Spenden. Fantasievoll maskiert pflegt die Junggesellschaft beim Fastnachtsumzug einen alten Brauch. Seit der Gründung des Vereins 1902 ziehen jedes Jahr verkleidete junge Männer durch den Ort, um die bösen Wintergeister zu vertreiben. Dabei sammeln sie Geld zum Wohle der Dorfgemeinschaft. Der Fastnachtsumzug der Junggesellschaft ist nur einer von mehreren Bräuchen und Traditionen, die in Ingeln-Oesselse lebendig gehalten werden. Dabei ist das Dorf durchaus fortschrittlich.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich Ingeln-Oesselse von einem kleinen Bauerndorf zum begehrten Wohnort entwickelt. Lebten 1958 lediglich 540 Menschen zwischen der Gleidinger Straße und dem Eichengrund, hat das Doppeldorf heute 3847 Einwohner. Zwar zeugen noch heute etliche alte Höfe und Wohnhäuser von der Bedeutung der Landwirtschaft im Ort. Doch mittlerweile dominieren modernere Gebäude das Ortsbild. Gerade junge Familien entscheiden sich oft für das Wohnen in ländlicher Umgebung. Das Neubaugebiet „Vor dem Laagberg“, in dem auch ein Supermarkt angesiedelt ist, liegt zwischen Ingeln und Oesselse. Ein beliebter Treffpunkt ist der Dorfbrunnenplatz in Oesselse. Dort wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Pflugplatz in Ingeln ein Dorfgemeinschaftsfest gefeiert.

Die evangelische Kirche mit ihrem noch aus dem Mittelalter stammenden Westturm gilt als Oesselses Wahrzeichen. Sie hat eine lange Geschichte, wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. 2004 wurde sie wegen akuter Baufälligkeit geschlossen, nach ihrer Sanierung jedoch wieder geöffnet. In Ingeln erinnert die Stiftungsstraße an August Ebeling, der dem Dorf sein gesamtes Vermögen spendete. Von dem Geld sollte ein Krankenhaus im Ort gebaut werden. Da dieses dafür jedoch nicht reichte, gründeten die Ingelner 1908 eine Stiftung. Aus dieser wird bis heute unter anderem eine Gemeindeschwester finanziert, die Kranke in Ingeln und Oesselse pflegt, ohne dass ihnen dafür Kosten entstehen.

Zu einem Laatzener Stadtteil zusammengefasst wurden die beiden Dörfer 1974. Seitdem teilen sich die Bewohner viele Einrichtungen und Vereine. Die Sportvereine fusionierten bereits vor mehr als 60 Jahren, die Feuerwehren 1987. Dennoch haben sich beide Ortsteile ihre eigene Identität und Tradition bewahrt. Zwar richten die Schützenvereine jedes Jahr gemeinsam ihr Schützenfest aus – doch an eine Fusion denken der SV Oesselse und Horrido Ingeln bislang nicht.

Ingeln-Oesselse auf einen Blick:

  • Einwohner (Stand 13.8.2018): 3847
  • Gründung: Ingeln 1162, Oesselse 1022
  • Schulen: Grundschule Ingeln-Oesselse
  • Kirchen: Evangelisch-lutherische St.-Nicolai-Kirche
  • Größter Verein: TSV Ingeln-Oesselse
  • Sehenswürdigkeiten: St.-Nicolai-Kirche, Dorfbrunnenplatz
  • Ortsbürgermeister: Heinrich Hennies